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KlimaneutralitÀt
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KlimaneutralitÀt bedeutet, dass durch menschliche AktivitÀt in Summe das Klima nicht beeinflusst wird.cite-ref-ipcc-sr15-glossary-1-0[1]

Der Unterbegriff TreibhausgasneutralitĂ€t wird in der Wissenschaft fĂŒr AktivitĂ€ten verwendet, bei denen entweder keine Treibhausgase in die AtmosphĂ€re emittiert werden oder bei denen die Emissionen vollstĂ€ndig durch negative Emissionen ausgeglichen werden, es also insgesamt zu keinem Konzentrationsanstieg der Gase kommt. Eine synonyme Bezeichnung ist Netto-null-Emission.cite-ref-ipcc-sr15-glossary-1-1[1] Im ersten Fall, also wenn keine Treibhausgase emittiert werden, spricht man auch von Nullemission oder Emissionsfreiheit.cite-ref-2[2] In der Politik wird die Bezeichnung KlimaneutralitĂ€t manchmal synonym zu TreibhausgasneutralitĂ€t verwendet. Eine solche Verwendung ist missverstĂ€ndlich: Eine treibhausgasneutrale AktivitĂ€t kann, etwa durch AlbedoĂ€nderungen, durchaus Einfluss auf das Klima haben.cite-ref-3[3]

Der Unterbegriff CO2-NeutralitĂ€t besagt in einem engen Sinn, dass kein CO2 emittiert wird oder die CO2-Emissionen vollstĂ€ndig kompensiert werden. Ein in diesem Sinn CO2-neutraler Handlungszusammenhang erhöht zwar nicht die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der AtmosphĂ€re, kann aber andere EinflĂŒsse auf das Klima haben, etwa, indem andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas emittiert werden oder – im Beispiel des Luftverkehrs – indem die Wolkenbedeckung geĂ€ndert wird. CO2-NeutralitĂ€t ist also nicht gleichbedeutend mit Treibhausgas- oder KlimaneutralitĂ€t.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]

Bis 2021 hatten sich die meisten Staaten in ihren national festgelegten BeitrĂ€gen des Übereinkommens von Paris langfristige Netto-Null-Ziele gesetzt. Damit bestand fĂŒr etwa 90 % der weltweiten wirtschaftlichen AktivitĂ€t das Ziel, zwischen 2050 und 2070 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.cite-ref-allen2022-6-0[6]

Contents

‱ Deutschland
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Terminologisches

Der Begriff der KlimaneutralitÀt und seine Teilbegriffe unterliegen einem Wandel; zudem variieren die Bedeutungen verschiedener Bezeichnungen auch je nachdem, ob sie in wissenschaftlichem, politischem oder unternehmerischem Kontext gebraucht werden.

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der alle paar Jahre den Wissensstand zur globalen ErwÀrmung zusammenfasst, definierte 2018 in seinem Sonderbericht 1,5 °C globale ErwÀrmung KlimaneutralitÀt als:

„Concept of a state in which human activities result in no net effect on the climate system. Achieving such a state would require balancing of residual emissions with emission (carbon dioxide) removal as well as accounting for regional or local biogeophysical effects of human activities that, for example, affect surface albedo or local climate.“

„Konzept eines Zustands, in dem menschliche AktivitĂ€ten netto keine Wirkung auf das Klimasystem haben. Um einen solchen Zustand zu erreichen, wĂ€re es erforderlich, dass Restemissionen durch Emissionsentnahme (bzw. CO2-Entnahme) ausgeglichen werden und dass regionale oder lokale biogeophysikalische Effekte menschlicher AktivitĂ€ten berĂŒcksichtigt werden, wenn sie beispielsweise die OberflĂ€chenalbedo oder das lokale Klima beeinflussen.“cite-ref-ipcc-sr15-glossary-1-2[1]

Der Erdsystemwissenschaftler Myles R. Allen und andere schlugen 2022 vor, den Begriff enger zu fassen: Klimaneutral seien VerhĂ€ltnisse, in denen menschliche AktivitĂ€ten keine zusĂ€tzliche ErwĂ€rmung oder AbkĂŒhlung der mittleren globalen Temperatur der ErdoberflĂ€che ĂŒber einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten verursachen. Damit kommt der Begriff dem der TreibhausgasneutralitĂ€t nĂ€her.cite-ref-allen2022-6-1[6]

Die Umstellung der Wirtschaftsweise mit dem Ziel der TreibhausgasneutralitĂ€t oder CO2-NeutralitĂ€t heißt Dekarbonisierung.

In Abwandlung der KlimaneutralitĂ€t gibt es den englischen Begriff climate-positive („Klima-positiv“), mit dem manchmal Handlungen und Prozesse bezeichnet werden, die netto einen kĂŒhlenden Effekt haben und der globalen ErwĂ€rmung entgegenwirken sollen. Dazu gehören Projekte, die durch das Schaffen zusĂ€tzlicher Kohlenstoffsenken der AtmosphĂ€re so viel CO2 dauerhaft entziehen, dass die Klimawirkung ihrer Emissionen mehr als kompensiert wird. In der Regel wird der Begriff aber in anderen Bedeutungen verwendet, die nicht direkt mit der Klimabilanz zu tun haben, hĂ€ufig fĂŒr eine Einstellung, die das Ergreifen von Chancen im Zusammenhang mit KlimaĂ€nderungen und Klimaschutzmaßnahmen fokussiert.cite-ref-7[7]

ZielgrĂ¶ĂŸe und Handlungsmöglichkeiten

FĂŒr das Ausmaß der globalen ErwĂ€rmung ist der Gesamtgehalt an Treibhausgasen in der AtmosphĂ€re entscheidend. Handlungen und Prozesse können daher auch dann durch sogenannte Klimakompensation noch treibhausgasneutral gestellt werden, wenn bei ihrer DurchfĂŒhrung Treibhausgasfreisetzungen nicht vermieden wurden oder (noch) nicht vermeidbar waren. Zum einen ist das möglich durch eine entsprechend dimensionierte Emissionsvermeidung an anderem Ort (z. B. durch die Mitfinanzierung eines Projektes zur Gewinnung erneuerbarer Energie), also durch technische Kompensation. Ebenso ist eine biotische Kompensation durch sogenannte Senkenprojekte möglich: Es wird irgendwo auf der Erde eine zusĂ€tzliche, dauerhafte Kohlenstoffsenke finanziert. Aufforstung zum Beispiel kann die Nutzung fossiler Brennstoffe nur dann dauerhaft kompensieren, wenn der dabei gebundene Kohlenstoff nicht als CO2 zurĂŒck in die AtmosphĂ€re gelangt, weder durch Feuer noch durch Mineralisierung. Das erfordert Endlager fĂŒr Ă€hnliche Mengen von Kohlenstoff, wie sie aus der Erde geholt werden, in beliebiger Modifikation oder chemischer Verbindung.

Zur Beantwortung der Frage, ob ein Handlungszusammenhang treibhausgasneutral ist, kann die klimaschĂ€digende Wirkung anderer Treibhausgase als CO2 in die Wirkung einer entsprechenden Menge CO2 umgerechnet werden (CO2-Äquivalent) und dann auf dem beschriebenen Weg der technischen oder biotischen Kompensation wieder aus der Welt geschafft werden. Unterschiede in der weitrĂ€umig horizontalen,cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] kleinrĂ€umig horizontalen,cite-ref-10[10] vertikalen und zeitlichen Verteilung klimarelevanter Gase in der AtmosphĂ€re werden bei der Bilanzierung vereinfachend vernachlĂ€ssigt.

GrundsĂ€tzlich sind alle Klimaschutzmaßnahmen, die den CO2-Fußabdruck von konsumierten GĂŒtern oder Dienstleistungen auf Null reduzieren, geeignet, um Treibhausgas- oder CO2-NeutralitĂ€t zu erreichen. Die konsequenteste Form treibhausgasneutraler Energienutzung ist die Nutzung treibhausgasfreier Energiequellen wie der Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Die Nutzung pflanzlicher, nicht fossiler Brennstoffe ist oft mit weniger Emissionen als die fossiler Brennstoffe verbunden: Das Wachstum der Pflanzen (gleichbedeutend mit CO2-Entzug aus der Luft), die Freisetzung von CO2 bei deren Zersetzung bzw. Verbrennung und das Nachwachsen einer gleich großen Pflanzenmenge stellen einen geschlossenen Kreislauf dar, durch den die CO2-Konzentration der Luft nicht relevant verĂ€ndert wird. Unter BerĂŒcksichtigung der Emissionen aus Erzeugung, Ernte, Transport und Verarbeitung sowie aus LandnutzungsĂ€nderungen, alternativen Nutzungsmöglichkeiten und WachstumszeitrĂ€umen fallen in der Klimabilanz von Bioenergiesystemen jedoch zusĂ€tzliche Treibhausgasemissionen an, die durch das Pflanzenwachstum nicht ausgeglichen werden. Das Potential einer treibhausgasneutralen Bioenergieerzeugung ist eng begrenztcite-ref-11[11] (zur TreibhausgasneutralitĂ€t von Holzpellets siehe Nichtfossile Brennstoffe).

Zur Erreichung der angestrebten NeutralitĂ€t sind bei allen Kompensationsmaßnahmen umfassende Bilanzierungen und Kontrollen notwendig, um sicherstellen zu können, dass die auf technischem oder biotischem Weg zu verbuchende CO2-Kompensationsmenge der tatsĂ€chlichen Emissionsmenge entspricht und dass somit die Kompensationsmaßnahme auf die Treibhausgasproblematik ebenso heilend wirkt wie eine entsprechende Emissionsvermeidung. Bei biotischer Kompensation bedarf es außerdem eines guten Konzeptes, um die Kohlenstoffeinbindung auf den Wald- oder MoorflĂ€chen zu sichern.

Akteure können die Handlungsmöglichkeiten Vermeiden und Kompensieren im Rahmen ihres Budgets so kombinieren, dass die eigene angestrebte Form der NeutralitÀt mit minimalen Kosten gesichert ist.

Um die Transformation zu KlimaneutralitÀt (sowie die gesellschaftliche Anpassung an verÀnderte Klimabedingungen) zu finanzieren, sind Aufwendungen von jÀhrlich ca. sieben Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts nötig.cite-ref-12[12]

Nichtfossile Brennstoffe

Bei der Freisetzung von Energie durch die Verbrennung kohlenstoffhaltiger Brennstoffe entsteht zunÀchst immer dieselbe Menge CO2 unabhÀngig davon, ob es sich um fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdgas oder Erdöl oder um nichtfossile Brennstoffe aus Biomasse wie Holz handelt, in beiden FÀllen ist die Energie biochemisch gespeicherte Sonnenenergie. Unterschiede bestehen durch unterschiedliche maximale feuerungstechnische Wirkungsgrade der brennstoffspezifischen Verbrennungstechnologien und Heizsysteme.

Die Verbrennung von Biomasse ist nur dann CO2-neutral, wenn die entstehende Menge CO2 vorher durch das Wachstum der Pflanzen in der Biomasse gebunden wurde. In die CO2-Bilanz sind allerdings einzubeziehen:

‱ der Bilanzstichtag, auf den die CO2-Bilanz sich bezieht
‱ der Zeitaufwand fĂŒr die Bindung von freigesetztem CO2. Eine CO2-NeutralitĂ€t bezieht sich deshalb immer auf einen Zeitraum.
‱ CO2-Emissionen durch Anbau und Bodenbearbeitung
‱ CO2-Emissionen durch DĂŒngung und durch das Auftragen von Spritzmittel (incl. deren Herstellung)
‱ CO2-Emissionen durch Bindung oder Freisetzung von Humus
‱ CO2-Emissionen durch Verarbeitung und Transport der Biomasse
‱ Biomasse als CO2-Speicherort und Kohlenstoffsenke.

Durch Außerachtlassung dieser Rahmenbedingungen kann es zu gravierenden FehleinschĂ€tzungen kommen.cite-ref-13[13]

Die (geringen) Anteile der Energieverluste fĂŒr Verarbeitung und Transport der Biomasse vermindern den Nettoeffekt etwas, stellen aber nicht die Methode in Frage.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Weitaus bedeutsamer ist der Einfluss der Biomassenutzung auf die Biomasse-VorrĂ€te. Wird Biomasse aus dem Vorrat entnommen, in dem zum Beispiel ein vorhandener Wald als Biomasse verbrannt wird, fĂŒhrt dies leicht nachvollziehbar nicht zu einer Verminderung, sondern zu einer VerstĂ€rkung des Treibhauseffekts. CO2-neutral ist die Nutzung nur dann, wenn andernorts, in etwa demselben Zeitraum, dieselbe Menge an, spĂ€ter zu nutzender, Biomasse nachwĂ€chst (und dieser Nachwuchs nur einmal in die Gesamtbilanz einbezogen wird). Eine solche, nachhaltig genannte Wirtschaft ist also Voraussetzung der CO2-NeutralitĂ€t.

FĂŒr Viele ĂŒberraschend ist sie aber noch keine Garant fĂŒr CO2- oder gar TreibhausgasneutralitĂ€t. Dies liegt an indirekten Effekten. Zum Beispiel fĂŒhrt eine Änderung der Landnutzung nicht nur in der Biomasse der Pflanzen, sondern auch in derjenigen des Humusvorrats im Boden zu VerĂ€nderungen. Wird etwa eine GrĂŒnlandflĂ€che umgebrochen, um auf ihr Energiemais anzubauen, wird dadurch aus dem Boden ein Vielfaches der Biomasse durch Humus-Vorratsabbau (siehe auch Bodenerosion) freigesetzt, wie durch die jĂ€hrliche Nutzung der Ernte eingespart werden kann. Diese „carbon debt“ kann erst nach Jahrzehnten der Nutzung abgetragen werden, bis dahin ist die Bilanz negativ.cite-ref-16[16] Wird im Gegensatz dazu ein Acker aufgeforstet, ist aber der positive Effekt entsprechend grĂ¶ĂŸer. Wird ein schon lĂ€nger bestehender Wald genutzt, spielt der Effekt in dieser Form keine Rolle. Aber auch hier sind die Effekte des Biomassevorrats zu beachten. Zum Beispiel besitzen alte, urwaldĂ€hnliche WĂ€lder einen höheren Holzvorrat als genutzte WirtschaftswĂ€ldercite-ref-17[17], der Effekt eines Nutzungsverzichts erscheint aber unter den deutschen Bedingungen recht gering.cite-ref-18[18] Bereits im gegenwĂ€rtigen Zustand nahm der Biomassevorrat der WĂ€lder Europas in den vergangenen 50 Jahren um den Faktor 1,75 zucite-ref-19[19], so dass nach ĂŒberwiegender ExperteneinschĂ€tzung eine energetische Nutzung von Holz aus WirtschaftswĂ€ldern den Kohlenstoffvorrat im System langfristig nicht vermindern muss.

Zu beachten sind also neben der direkten Bilanz immer die dadurch ausgelösten indirekten Effekte; zudem, ob nicht durch verĂ€nderte Maßnahmen noch höhere Effekte zu erzielen wĂ€ren (OpportunitĂ€tskosten von Maßnahmen). So ist etwa der Substitutionseffekt von Holz-Biomasse auf fossile Brennstoffe bei Anlage von Kurzumtriebsplantagen höher als bei Nutzung von WĂ€ldern. Langfristige Speicherung, etwa in Bauholz, kann höhere Effekte erzielen als Verbrennen oder auch als Belassen (wo die Biomasse letztlich immer ĂŒber kurz oder lang durch natĂŒrliche Abbauprozesse mineralisiert wird). Die tatsĂ€chliche Klimabilanz einer Maßnahme auszurechnen, kann also eine anspruchsvolle Aufgabe sein.

Staatliche Bestrebungen zur Erreichung von TreibhausgasneutralitÀt

Im internationalen Übereinkommen von Paris haben die Vertragsparteien vereinbart, die ErderwĂ€rmung auf deutlich unter 2 °C (→Zwei-Grad-Ziel) und möglichst unter 1,5 °C zum vorindustriellen Stand zu begrenzen und in der zweiten HĂ€lfte des 21. Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen anthropogenen Treibhausgasemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff in Senken herstellen zu wollen.cite-ref-unep2021-21-0[21]cite-ref-22[22] Um die Klimaziele einzuhalten, muss die Staatengemeinschaft um die Mitte des 21. Jahrhunderts CO2-NeutralitĂ€t, um 2070 TreibhausgasneutralitĂ€t erreichen, anschließend mĂŒssen ĂŒber negative Emissionen die Treibhauskonzentrationen der AtmosphĂ€re wieder gesenkt werden.cite-ref-unep2021-21-1[21]

Je nach ZĂ€hlweise hatten im Herbst 2021, im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Glasgow, zwischen 50 und 136 LĂ€nder erwogen, Netto-Null-Emissionsziele zum Gegenstand ihrer Klimapolitik zu machen. In der Klassifikation des vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen herausgegebenen Emissions Gap Report, der die Klimaziele und -politik der Vertragsparteien auf Vereinbarkeit mit den internationalen Klimazielen analysiert, hatten 49 Staaten und die EuropĂ€ische Union, die insgesamt fĂŒr 59 % der Emissionen verantwortlich waren, Netto-Null-Emissionsziele vorgelegt, elf davon hatten sie auch in Gesetzen verankert. Unter den Staaten mit Netto-Null-Ziel waren zwölf der G20-Staaten, darunter Brasilien, Kanada, die USA, die EuropĂ€ische Union als Ganzes und verschiedene Mitgliedstaaten fĂŒr sich. Die Klimapolitik der meisten Staaten entsprach jedoch nicht ihren Zielen.cite-ref-unep2021-21-2[21]

Der net zero tracker des New Climate Institute verzeichnete Ende 2024 101 Staaten, die ein Form von KlimaneutralitĂ€tsziel zugesagt bzw. rechtlich oder in politischen Dokumenten verankert oder, in fĂŒnf FĂ€llen, nach eigener Auskunft schon erreicht hatten. Weitere 46 Staaten hatten ein solches Ziel als Vorschlag formuliert.cite-ref-netzerotracker-2024-12-25-23-0[23]

Die, Stand 2023, fĂŒnf grĂ¶ĂŸten Emittenten von Treibhausgasen haben sich KlimaneutralitĂ€tsziele gesetzt: China hat 2021 in einem politischen Dokument „KohlenstoffneutralitĂ€t“ bis 2060 festgeschrieben, die USA ein „Netto-Null-Ziel“ bis 2050.cite-ref-netzerotracker-2024-12-25-23-1[23] Die Regierung Indiens will bis 2070 eine Form von KlimaneutralitĂ€t erreichen (siehe auch Energiewende nach LĂ€ndern#Indien).cite-ref-24[24] Die EuropĂ€ische Union (EU) insgesamt war 2023 der viertgrĂ¶ĂŸte Emittent; sie hat sich im EuropĂ€ischen Klimagesetz das Ziel gesetzt, bis 2050 KlimaneutralitĂ€t zu erreichen.cite-ref-25[25] Die Regierung Russlands gab, ebenfalls im Jahr 2021, an, bis 2060 eine Form von KlimaneutralitĂ€t erreichen zu wollen (siehe auch Energiewende nach LĂ€ndern#Russland).cite-ref-26[26]

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) untersucht in seinem jĂ€hrlich veröffentlichten Emissions Gap Report, inwieweit die Klimaziele und die Klimaschutzmaßnahmen der Staaten mit dem von ihnen im Übereinkommen von Paris vereinbarten Ziel ĂŒbereinstimmt, die globale ErwĂ€rmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C zu begrenzen. Stand 2024 wĂŒrden die staatlichen Klimaziele den Temperaturanstieg lediglich auf 2,6–2,8 °C begrenzen, selbst wenn sie vollstĂ€ndig erreicht werden. Die bis dahin geplanten klimapolitischen Maßnahmen genĂŒgen jedoch voraussichtlich nicht, die schon unzureichenden staatlichen Ziele tatsĂ€chlich zu erreichen.cite-ref-27[27]

Österreich

Österreich hat das Ziel, den Ausstoß klimaschĂ€dlicher Treibhausgase bis 2040 vollstĂ€ndig zu stoppen.cite-ref-28[28]

Siehe auch

:

Energiewende nach LĂ€ndern#Österreich

Deutschland

Das deutsche Klimaschutzgesetz in der am 31. August 2021 in Kraft getretenen Fassung schreibt vor, dass Deutschland bis zum Jahr 2045 TreibhausgasneutralitĂ€t erreichen muss.cite-ref-29[29] Einzelne BundeslĂ€nder wollen schon vorher klimaneutral werden, beispielsweise Baden-WĂŒrttemberg und Hamburg bis 2040.cite-ref-30[30] Auch einzelne StĂ€dte, wie MĂŒnchen und Stuttgart, wollen bereits 2035 klimaneutral sein.cite-ref-31[31]

Der SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr Umweltfragen (SRU) leitete in einem 2020 veröffentlichten Gutachten ein nationales Treibhausgasbudget her, das mit den Klimazielen des Übereinkommens von Paris in Einklang steht. Um ein 1,75 °C-Ziel mit etwa zwei Drittel Wahrscheinlichkeit zu erreichen, darf Deutschland nach 2020 – bei einer Verteilung des globalen Restbudgets zu gleichen Teilen pro Kopf der Weltbevölkerung – maximal noch 6,7 Gt CO2 emittieren. Bei einer in jedem Jahr gleich hohen Emissionsminderung mĂŒsste Deutschland im Jahr 2038 treibhausgasneutral sein, um seinen fairen Beitrag zur Einhaltung der Pariser Klimaziele zu leisten. Bei einer zunĂ€chst raschen Senkung relativ leicht zu vermeidender Emissionen könnte fĂŒr die nur schwer zu senkende Restemissionen Zeit gewonnen werden. Zur Einhaltung des anzustrebenden, strengeren 1,5 °C-Ziels bliebe noch ein Budget von 4,2 Gt CO2.cite-ref-32[32]

Siehe auch

:

Energiewende in Deutschland

Kritik an „klimaneutral“-Werbung

Viele Organisationen und Wissenschaftler lehnen „klimaneutral“-Werbung von Unternehmen ab, wenn diese auf Kompensation beruht. Im Gegensatz zu Staaten mit eigenen Territorien und Kohlenstoffsenken sei KlimaneutralitĂ€t fĂŒr Unternehmen nicht erreichbar. Der Begriff werde fĂŒr Greenwashing-Zwecke missbraucht. Die Ökonomin Claudia Kemfert schreibt beispielsweise: „Die vernĂŒnftige Idee der CO2-Kompensation wird durch Tricks pervertiert.“cite-ref-33[33]

Die Werbeaussage „klimaneutral“ ist weder durch europĂ€isches noch deutsches Recht definiert.cite-ref-34[34] Dementsprechend gibt es auch keine Vorgabe, dass Unternehmen die eigenen Emissionen reduzieren mĂŒssen. Stattdessen können sie CO2-Gutschriften kaufen und damit die Emissionen kompensieren. Die Organisation foodwatch bezeichnet dies als „modernen Ablasshandel“.cite-ref-35[35] „Werbesiegel wie ‚klimaneutral‘ sagen nichts ĂŒber die Umweltfreundlichkeit eines Produkts aus.“cite-ref-36[36] Auch die Verbraucherzentralencite-ref-37[37] und die Deutsche Umwelthilfecite-ref-38[38] fordern deshalb ein Verbot von Werbung mit angeblicher „KlimaneutralitĂ€t“.

Carbon Market Watch untersuchte gemeinsam mit dem New Climate Institute die Netto-Null-Versprechen von diversen Unternehmen. Das Ergebnis: Anstatt eine hundertprozentige Reduktion der Emissionen zu planen, ist dies nur fĂŒr 40 Prozent der Emissionen geplant – trotz Klimaneutral-Behauptung.cite-ref-39[39]

Kompensation wird aus mehreren GrĂŒnden als oft nicht glaubwĂŒrdig angesehen:

‱ mangelnde ZusĂ€tzlichkeit: Viele Projekte wĂ€ren auch umgesetzt worden, ohne CO2-Gutschriften zu verkaufen. Beispielsweise sind die Kosten fĂŒr Windkraft und Wasserkraft massiv gesunken. Der Bau solcher Anlagen lohnt sich meist auch ohne CO2-Gutschriften.cite-ref-0-40-0[40]
‱ fehlende Permanenz: Viele Treibhausgase bleiben fĂŒr Jahrhunderte in der AtmosphĂ€re.cite-ref-41[41] Kompensationsprojekte hingegen haben eine Laufzeit von wenigen Jahrzehnten. Und auch fĂŒr diesen Zeitraum können sie nicht garantieren, dass beispielsweise WĂ€lder keinem Waldbrand zum Opfer fallen.
‱ Berechnungsfehler: Die Menge der CO2-Gutschriften eines Kompensationsprojektes wird komplex berechnet. Die Grundlage dafĂŒr ist ein Referenz-Szenario: Was wĂ€re ohne das Projekt passiert? (Baseline) WĂ€re der Wald wirklich in genau dem Maße abgeholzt worden? Dieses Szenario ist rein hypothetisch und kaum ĂŒberprĂŒfbar. Hinzu kommen weitere mögliche Fehlerquellen in den Berechnungen.cite-ref-0-40-1[40]
‱ Verlagerungen (Leakage): Selbst wenn beispielsweise ein Wald vor Abholzung geschĂŒtzt wird, kann es sein, dass sich der Holzeinschlag woandershin verlagert, also beispielsweise internationale Firmen in andere LĂ€nder ausweichen und dort Wald abholzen.cite-ref-42[42]
‱ DoppelzĂ€hlungen: Theoretisch können die Einsparungen eines Klimaschutzprojektes doppelt gezĂ€hlt werden: Sowohl von dem Staat, in dem das Projekt durchgefĂŒhrt wird – als auch in dem Staat, aus dem ein Unternehmen CO2-Gutschriften kauft und damit die eigene CO2-Bilanz verbessern möchte.cite-ref-43[43] (auch genannt: Doppelte Inanspruchnahme)

Es gibt Produkte, die trotz einer immensen Klimawirkung als „klimaneutral“ beworben werden. Beispielsweise nannte sich die Fußball-WM in Katar „klimaneutral“, obwohl massive Emissionen im WĂŒstenstaat anfielen.cite-ref-44[44] Die Deutsche Umwelthilfe verklagte den Mineralölkonzern Total fĂŒr irrefĂŒhrende Klimaneutral-Werbung.cite-ref-45[45] Und foodwatch mahnte Rewe dafĂŒr ab, ein Fleisch-Produkt als gut fĂŒr das Klima zu bewerben.cite-ref-46[46] Nach einem Urteil das Bundesgerichtshofes (BGH) aus dem Juni 2024 dĂŒrfen Unternehmen mit dem Begriff „klimaneutral“ nur dann werben, wenn von ihnen in der Werbung selbst erklĂ€rt wird, was dies konkret bedeutet.cite-ref-47[47]

Diesem Greenwashing möchte die EuropĂ€ische Kommission mit neuen Gesetzen begegnen: Die Green-Claims-Richtlinie soll Anforderungen an Umweltwerbung stellen.cite-ref-48[48] Bis Ende MĂ€rz 2026 muss diese auch in nationales Recht umgesetzt werden.cite-ref-49[49] ClimatePartner reagierte bereits auf die Kritik und setzt kĂŒnftig ausschließlich auf die Labels „ClimatePartner-zertifiziert“ und „Finanzieller Klimabeitrag“, auf den Begriff ‘klimaneutral’ wird hingegen bewusst verzichtet.cite-ref-50[50] ErgĂ€nzend soll ab September 2026 die sogenannte EmpCo-Richtlinie („Empowering consumers for the green transition“cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]) die Verbraucherrechte weiter stĂ€rken.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]

Literatur

‱ S. Bode und F. LĂŒdeke: CO2-neutrales Unternehmen – was ist das? UmweltWirtschaftsForum, 2007, Jg. 15, Nr. 4, 265–273
‱ Michael Bilharz: Klimaneutral leben. Verbraucher starten durch beim Klimaschutz. Hrsg.: Umweltbundesamt (UBA). Umweltbundesamt, Bonn 2014 (PDF, DNB – Umweltbundesamt: Fachgebiet Übergreifende Aspekte des Produktbezogenen Umweltschutzes, Nachhaltige Konsumstrukturen, Innovationsprogramm).
‱ Studie des WWF Deutschland zu CO2-Kompensationen: Augenwischerei oder wirksamer Klimaschutz? (2008, Zusammenfassung)
‱ Wolters, Stephan; Katharina Nett, Dennis TĂ€nzler, Kristian Wilkening, Markus Götz, Jan-Marten Krebs und Dana Vogel 2015: Aktualisierte Analyse des deutschen Marktes zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen. In: Climate Change 02/2015. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.

Weblinks

Wiktionary: KlimaneutralitÀt

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: CO₂-NeutralitĂ€t

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Zerotracker der Energy & Climate Intelligence Unit (ECIU), des Data-Driven EnviroLab (DDL), NewClimate Institute und von Oxford Net Zero
‱ deenet.org: Klimaneutrale Kommune.
‱ Bundesrat will bis 2050 eine klimaneutrale Schweiz (Bundesamt fĂŒr Umwelt, 28. August 2019)

Einzelnachweise

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